Al­le flie­gen mit – nur Sie nicht!

Ih­re Rech­te als Fluggast

Sie ha­ben ei­nen Flug ge­bucht und freu­en sich auf vier Ta­ge in Rom. Sie wol­len ein­che­cken und er­fah­ren, dass Ihr Flug ge­stri­chen wur­de. Oder Ihr Flug ist über­bucht und nur Sie ­flie­gen nicht mit. Oder Ihr Ab­flug ver­spä­tet sich um fünf Stun­den.

Seit vie­len Jah­ren re­gelt die Flug­ga­strech­te­ve­rord­nung Ih­re Rech­te für den Fall ei­ner Ver­spä­tung, Annul­lie­rung oder Ih­rer Nicht­be­för­de­rung. Die­ Ver­ord­nung ist sehr kom­pli­ziert, hat Re­ge­lungs­lü­cken und hat zu ei­ner Viel­zahl von Ur­tei­len deut­scher Gerichte bis hin zum Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof ge­führt.

 

Für wen gel­ten die Flug­ga­strech­te?

Die Ver­or­dnung gilt, wenn Sie vo­n ei­nem eu­ro­päi­schen Flug­ha­fen ab­flie­gen oder von ei­nem Dritt­staat in die EU flie­gen, dann aber nur mit einem EU-Luft­fahrt­un­ter­neh­men. Und na­tür­lich müs­sen Sie ei­ne be­stä­tig­te Bu­chung ha­ben und sich spä­tes­tens 45 Mi­nu­ten vor Ab­flug­zeit zur Ab­fer­ti­gung be­ge­ben ha­ben.

Es spielt kei­ne Rol­le, ob Sie Ur­laub ge­macht ha­ben oder ge­schäft­lich un­ter­wegs wa­ren, ob es ein Nur-Flug oder der Flug Be­stand­teil ei­ner Pau­schal­rei­se war.

 

Was kön­nen Sie bei An­nul­lie­rung und Nicht­be­för­de­rung for­dern?

Wenn Ihr Flug an­nul­liert wird und Sie nicht min­des­tens zwei Wo­chen vorher in­for­miert wur­de­n o­der wenn Sie we­gen Über­bu­chung nicht be­för­dert wer­den, kön­nen Sie zwi­schen Flugpreis­er­stat­tung oder ei­ner Ersatzbe­för­de­rung mit ei­nem an­de­ren Flug­zeug oder an­de­ren Ver­kehrs­mit­tel wäh­len.

Ergänzend muss sich ein Luft­fahrt­un­ter­neh­men um Sie küm­mern und so­ge­nann­te Be­treu­ungs­leis­tun­gen er­brin­gen, z.B. kos­ten­los zwei Te­le­fo­na­te oder E-mails er­mög­li­chen, Ge­trän­ke, ei­nen Im­biss und er­for­der­li­chen­falls auch ei­ne Hotelüber­nach­tung zur Ver­fü­gung stel­len.

Und Sie kön­nen ei­ne Ent­schä­di­gung als pau­scha­lier­ten Scha­dens­er­satz for­dern, oh­ne dass Sie ei­nen tat­säch­li­chen Scha­den nach­wei­sen müs­sen.

 

Wie hoch ist die Ent­schä­di­gung?

Die Hö­he der Ent­schä­di­gung ist ab­hän­gig von der Län­ge der Flug­stre­cke:

  • 250 € bei ei­ner Flug­stre­cke bis zu 1.500 km,
  • 400 € bei ei­ner Flug­stre­cke bis zu 3.500 km
  • 600,00 € bei ei­ner Flug­stre­cke von mehr als 3.500 km.

Der Aus­gleichs­an­spruch kann sich un­ter be­stimm­ten Vo­raus­set­zun­gen um 50 % re­du­zie­ren.

Vo­raus­set­zung für eine Ent­schä­di­gungszahlung ist die Ver­ant­wort­lich­keit der Flug­ge­sell­schaft. Soll­ten „au­ßer­ge­wöhn­li­che Um­stän­de“ vor­lie­gen, ent­fällt ei­ne Ent­schä­di­gungs­zah­lung. Das kön­nen Unwet­ter­, Na­tur­ka­ta­stro­phen, Streik der Fluglotsen oder Sper­run­gen des Luf­trau­mes sein. Ein tech­ni­scher De­fekt ge­hört meis­tens nicht zu den au­ßer­ge­wö­hnlichen Um­stän­den.

Ihr An­sprü­che auf Be­treu­ung, Er­stat­tung oder Er­satz­be­för­de­rung be­ste­hen aber trotz­dem!

 

Wel­che Rech­te ha­ben Sie bei Ver­spä­tun­gen?

Bei Flug­ver­spä­tun­gen ha­ben Sie frü­hes­tens nach zwei Stun­den An­spruch auf Be­treu­ungs­leis­tun­gen. Auch die Flu­gent­fer­nung spielt ei­ne Rol­le, d.h. bei ei­ner Flug­stre­cke von we­ni­ger als 1500 Ki­lo­me­ter muss die Ver­spä­tung mehr als zwei Stun­den, bei ei­ner Stre­cke von mehr als 3000 Ki­lo­me­ter muss die Ver­spä­tung so­gar mehr als vier Stun­den be­tra­gen.

Für den Fall ei­ner Ver­spä­tung von mehr als fünf Stun­den kön­nen Sie die Rei­se ab­brech­en und ha­ben An­spruch auf Er­stat­tung des Ti­cket­prei­ses und ggf. An­spruch auf ei­nen kos­ten­lo­sen Rück­flug zu ih­rem Aus­gangs­punkt.

Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof hat im No­vem­ber 2009 ent­schie­den, dass Flug­gäs­te bei ei­ner ge­ne­rel­len Ver­spä­tung von mehr als drei Stun­den den Flug­gäs­ten ei­nes an­nu­lier­ten Flu­ges gleich­ge­stellt wer­den. Ih­nen ste­hen auch pau­scha­le Ent­schä­di­gun­gen ge­staf­felt nach der Ent­fer­nung zu.

 

Wel­che Fris­ten müs­sen Sie be­ach­ten?

Es gibt, an­ders als bei der Pau­schal­rei­se, kei­ne Aus­schluss­fris­ten.

Um Ih­re An­sprü­che op­ti­mal durch­set­zen zu kön­nen, for­dern Sie bit­te am Flug­ha­fen von den Mit­ar­bei­tern der Flug­ge­sell­schaft ei­ne schrift­li­che Be­stä­ti­gung, dass ihr Flug ver­spä­tet oder an­nul­liert wur­de bzw. sie nicht be­för­dert wur­den.

Und in Deut­schland gilt die soge­nann­te Re­gel­ver­jäh­rung. Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che kön­nen bis zu drei Jah­ren nach dem Flug gel­tend ge­macht wer­den.

Mei­ne recht­li­chen In­for­ma­tio­nen stel­len nur ei­ni­ge grund­le­gen­de As­pek­te dar. Sie er­he­ben kei­nen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit und er­set­zen kei­ne Rechts­be­ra­tung.

Ha­ben Sie Fra­gen da­zu? Dann mel­den Sie sich bitte bei mir.