Ist ein all­ein­le­ben­der Mann oh­ne Kin­der ei­ne ge­eig­ne­te Gastfa­mi­lie?

Der In­ter­na­tio­na­le Gast­schu­lau­fen­thalt

Viel­leicht wol­len Sie ih­rem Kind ein Schul­jahr im Aus­land bei ei­ner Gast­fa­mi­lie er­mög­li­chen, z.B. in den USA, Ka­na­da oder Frank­reich.

Die­se spe­zi­el­le Art zu ver­rei­sen un­ter­liegt be­son­de­ren recht­li­chen Re­ge­lun­gen. Grund­la­ge ist § 651 l BGB    so­wie § 7 BGB-Informationspflichtenverordnung.

Von die­sen Re­ge­lun­gen darf nicht zum Nach­teil des Gast­schü­lers ab­ge­wi­chen wer­den.

 

Was ist ein Gast­schu­lau­fen­thalt?

Rei­se­ver­an­stal­ter ist der An­bie­ter des Gast­schu­lau­fen­thalts.

Rei­sen­de im Sin­ne des Ge­set­zes sind Sie als bu­chen­de El­tern.

Gast­schü­ler ist Ihr Kind, d.h. die Per­son, die tat­säch­lich an der Rei­se teil­nimmt.

Fol­gen­de Merk­ma­le müs­sen er­füllt sein:

  • Auf­ent­halt im Aus­land bei ei­ner Gast­fa­mi­lie
  • ver­bun­den mit re­gel­mä­ßi­gem Schul­be­such
  • ein Min­de­sau­fen­thalt von drei Mo­na­ten
  • die Re­ge­lun­gen sind ver­trag­lich er­wei­ter­bar auf ei­nen Kurz­au­fen­thalt, ein Prak­ti­kum oder ei­ne Tä­tig­keit als Au-pair.

 

Wel­che Pflich­ten ha­ben Ver­ans­tal­ter und Gast­schü­ler?

Der Rei­se­ver­an­stal­ter ist ver­pflich­tet, für die an­ge­mes­se­ne Un­ter­brin­gung, Be­auf­sich­ti­gung und Be­treu­ung in ei­ner soge­nann­ten durch­schnitt­li­chen Gast­fa­mi­lie zu sor­gen und den re­gel­mä­ßi­gen Schul­be­such zu or­ga­ni­sie­ren.

Ei­ne Gast­fa­mi­lie muss sehr sorg­fäl­tig aus­ge­wählt wer­den.

Durch Urteil des LG Berlin vom 19.04.2004, AZ 14 O 585/03 (in RRa 2005,227) wur­de be­reits fest­ge­stellt, dass El­tern den Ver­trag wirk­sam kün­di­gen kön­nen, denn ein allein lebender Mann oh­ne Kin­der, der häufig beruflich unterwegs ist, ist als Gastfamilie un­ge­eig­net.

Ihr Kind wie­de­rum ist ver­pflich­tet, zum Ge­lin­gen des Gast­schu­lau­fen­thalts bei­zu­tra­gen. Es hat ei­ne so­ge­nann­te Mit­wir­kungs­pflicht. Es muss sich den Ver­hält­nis­sen im Gast­land und bei sei­ner Gastfa­mi­lie in ge­wis­ser Wei­se an­pas­sen.

 

Gibt es ein Rück­tritts­recht?

Der Rei­se­ver­an­stal­ter ist ver­pflich­tet, spä­tes­tens zwei Wo­chen vor Rei­se­an­tritt zu­min­dest über

  • Na­men und An­schrift der Gast­fa­mi­lie     und
  • Na­men und Er­reich­bar­keit ei­nes An­sprech­part­ners im Auf­nah­me­land zu in­for­mie­ren.

Wer­den Ih­nen die­se In­for­ma­tio­nen nicht er­teilt, ist ein kos­ten­lo­ser Rück­tritt von der Rei­se mög­lich.

 

Was pas­siert bei Pro­ble­men?

Beim Auf­tre­ten von Rei­se­män­geln muss Ab­hil­fe ge­for­dert wer­den. Wenn Ab­hil­fe nicht er­folgt,  kön­nen Sie ei­ne Rei­se­preis­min­de­rung gel­tend machen.

Wäh­rend des ge­sam­ten Auf­ent­halts müs­sen Sie als El­tern über et­wai­ge Ver­än­de­run­gen un­ter­rich­tet wer­den. Wenn Ihr Kind z.B. die Gast­fa­mi­lie wech­seln möch­te oder wenn es Schwie­rig­kei­ten in der Schu­le gibt.

Bis zur Be­en­di­gung der Rei­se kann der Ver­trag je­der­zeit oh­ne Be­grün­dung ge­kün­digt wer­den („Heim­weh-Kün­di­gung“). Selbst wenn Ihr Kind nur Heim­weh hat, kön­nen Sie den Ver­trag auf­lö­sen.

Wenn die Hin- und Rück­be­för­de­rung Be­stand­teil des Ver­tra­ges ist, muss der Rei­se­ver­an­stal­ter Ihr Kind auch vor­zei­tig wie­der nach Hau­se be­för­dern.

Aber die Kün­di­gung hat gra­vie­ren­de fi­nan­ziel­le Kon­se­quen­zen für Sie, das Geld ist verloren. Denn der Rei­se­ver­an­stal­ter ist be­rech­tigt, den ver­ein­bar­ten Rei­se­preis ab­züg­lich er­spar­ter Auf­wen­dun­gen (z.B. einen Teil des Schul­geldes) zu behalten. Die Auf­wen­dun­gen sind mi­ni­mal.

Ei­ne Kla­ge ge­gen Rei­se­ver­an­stal­ter we­gen Preismin­de­rung oder Scha­dens­er­satz soll­te man nur bei Be­ste­hen ei­ner Rechts­schutz­ver­si­che­rung in Er­wä­gung zie­hen. Ein Ge­richts­ver­fah­ren ist mit ho­hen Kos­ten ver­bun­den.

 

Wel­che Fris­ten müs­sen Sie be­ach­ten?

Ihre An­sprü­che sind an Fris­ten ge­bun­den. Die­se re­gelt § 661g BGB.

Sie müs­sen in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach dem ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Rei­se­en­de Ih­re An­sprü­che ge­gen­über dem Rei­se­ver­an­stal­ter gel­tend ma­chen. Es ist al­so schnel­les Han­deln er­for­der­lich.

Und die An­sprü­che ver­jäh­ren in zwei Jah­ren.

Die Ver­jäh­rungs­frist kön­nen Rei­se­ver­an­stal­ter in ih­ren All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen auf ein Jahr ver­kür­zen. Da­von wird sehr häu­fig Ge­brauch ge­macht.

Mei­ne recht­li­chen In­for­ma­tio­nen stel­len nur ei­ni­ge grund­le­gen­de As­pek­te dar. Sie er­he­ben kei­nen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit und er­set­zen kei­ne Rechts­be­ra­tung.

Ha­ben Sie Fra­gen da­zu? Dann set­zen Sie sich mit mir in Verbindung.