Kein Was­ser im Pool und Amei­sen im Zim­mer

Ihre Rechte als Pauschalreisender

 

Sie ha­ben spon­tan ei­nen Ba­deur­laub ge­bucht oder sich lang­fris­tig für ei­ne Stu­di­en­rei­se ent­schie­den. Aber vor Ort woh­nen Sie plötz­lich im 3-Ster­ne statt im 5-Ster­ne-Ho­tel. Bett­wä­sche und Hand­tü­cher wer­den nicht ge­wech­selt. Aus­flü­ge fal­len aus.

Ha­ben Sie ei­ne Pau­schal­rei­se ge­bucht, ge­nie­ßen Sie den Vor­teil nur ei­nen Ver­trags­part­ner zu ha­ben – den Rei­se­ver­an­stal­ter. Und es gel­ten spe­zi­el­le recht­li­che Re­ge­lun­gen.

 

Was ist Rei­se­recht?

Un­ter dem Be­griff „Rei­se­recht“ wer­den das Recht der Pau­schal­rei­se, das In­di­vi­dual­rei­se­recht und das Rei­se­ver­mitt­lungs­recht zu­sam­men­ge­fasst.

Zum In­di­vi­dual­rei­se­recht ge­hö­ren z.B. Ver­trä­ge mit Ho­tels, mit der Bahn und mit Flug­ge­sell­schaf­ten. Mehr Informationen zum Flie­gen fin­den Sie un­ter Flug­ga­strech­te.

Die Pau­schal­rei­se wird in den §§ 651a – m BGB (Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch) ge­re­gelt. Da es sich um ein Ver­brau­cher­schutz­recht han­delt, darf es nicht zu Ih­rem Nach­teil ab­ge­än­dert wer­den.

 

Was ist ei­ne Pau­schal­rei­se?

Die Pau­schal­rei­se wird als „Ge­samt­heit von Rei­se­leis­tun­gen“ de­fi­niert. Da­run­ter ver­steht man die Ver­bin­dung von min­des­tens zwei tou­ris­ti­schen Ein­zel­leis­tun­gen, die gebündelt wer­den. Zu der­ar­ti­gen Rei­se­leis­tun­gen ge­hö­ren ins­be­son­de­re der Flug, die Un­ter­kunft, der Trans­fer, Aus­flü­ge oder auch Sprach- und Sport­kur­se.

Ei­ne be­son­de­re Art der Rei­se ist der in­ter­na­tio­na­le Schü­ler­aus­tausch. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie un­ter Gast­schu­lau­fen­thalt.

 

Was ist ein Rei­se­man­gel?

Ein­fach ge­sagt, wenn Sie nicht das be­kom­men, was Sie ge­bucht ha­ben bzw. was der Ver­an­stal­ter in sei­nem Ka­ta­log ver­spro­chen hat.

Der Rei­se­ver­an­stal­ter ist ver­pflich­tet, die ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen ord­nungs­ge­mäß zu er­brin­gen.

  • 651c BGB verpf­lich­tet den Rei­se­ver­an­stal­ter, „die Rei­se so zu er­brin­gen, dass sie die zu­ge­si­cher­ten Ei­gen­schaf­ten hat und nicht mit Feh­lern be­haf­tet ist, die den Wert oder die Taug­lich­keit zu dem ge­wöhn­li­chen oder nach dem Ver­trag vo­raus­ge­setz­ten Nut­zen auf­he­ben oder min­dern.“

Das mas­si­ve Auf­tre­ten von Amei­sen, z.B. ei­ne Amei­sen­stra­ße durch Ihr Zim­mer ist ein Rei­se­man­gel. Beim Auf­tre­ten von 10 – 15 Amei­sen ist es kein Rei­se­man­gel, denn bei Rei­sen in süd­li­che Län­der muss man mit ei­nem be­stimm­ten Maß an Un­ge­zie­fer rech­nen. Auch ein Pool oh­ne Was­ser stellt ei­nen Rei­se­man­gel dar.

 

Wel­che Rech­te ha­ben Sie?

Bei un­er­heb­li­chen Rei­se­män­geln (Un­an­nehm­lich­kei­ten) ha­ben Sie kei­ne An­sprü­che.

Tre­ten ein­fa­che Rei­se­män­gel auf, kön­nen Sie

  • Ab­hil­fe for­dern oder selbst Ab­hil­fe schaf­fen und Kos­ten­er­stat­tung ver­lan­gen bzw.
  • den Rei­se­preis min­dern so­weit die Män­gel nicht be­sei­tigt wer­den.

Bei er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen kön­nen Sie

  • den Rei­se­ver­trag kün­di­gen.

Bei Ver­schul­den des Ver­an­stal­ters kann Scha­dens­er­satz für ei­nen ma­te­ri­el­len Scha­den und ggf. Scha­dens­er­satz für ver­ta­ne Ur­laubs­zeit gel­tend ge­macht werden. Die Ab­gren­zung zwi­schen Un­an­nehm­lich­keit und Rei­se­man­gel ist meist schwie­rig. Die Gren­zen sind flie­ßend. Es wird auf die Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven und durch­schnitt­li­chen Rei­sen­den ab­ge­stellt. Wenn kei­ne Ei­ni­gung mit dem Ver­an­stal­ter er­zielt wird, muss ein Rich­ter fest­stel­len, ob ein Rei­se­man­gel vor­liegt und mit wel­chen Kon­se­quen­zen.

 

Was müs­sen Sie tun?

Sie müs­sen den Rei­se­man­gel vor Ort un­ver­züg­lich an­zei­gen und bei der Rei­se­lei­tung for­dern, dass der Man­gel be­sei­tigt wird. Set­zen Sie da­zu ei­ne Frist. Las­sen Sie sich ein Män­gel­pro­to­koll aus­hän­di­gen. Si­chern Sie Be­wei­se durch Fo­tos, Vi­de­os und /oder Na­men und Ad­res­sen von Zeu­gen. Wenn es kei­nen Rei­se­lei­ter gibt, müs­sen Sie sich di­rekt an den Ver­an­stal­ter wen­den.

Wenn Sie den Man­gel­ nicht an­zei­gen, kann es sein, dass Sie Ih­re Rech­te ver­lie­ren!

 

Wel­che Fris­ten müs­sen Sie be­ach­ten?

Die An­sprü­che ei­nes Rei­sen­den sind an Fris­ten ge­bun­den. Die­se re­gelt § 661g BGB.

Sie müs­sen in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach dem ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Rei­se­en­de Ih­re An­sprü­che ge­gen­über dem Rei­se­ver­an­stal­ter gel­tend ma­chen. Es ist al­so schnel­les Han­deln er­for­der­lich. Und die An­sprü­che ver­jäh­ren in zwei Jah­ren. Die Ver­jäh­rungs­frist kön­nen Rei­se­ver­an­stal­ter in ih­ren All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen auf ein Jahr ver­kür­zen.

 

Wie be­rech­net man ei­ne Rei­se­preis­min­de­rung?

Als Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die Hö­he von Min­de­rungs­an­sprü­chen wur­de be­reits 1985 die „Frank­fur­ter Ta­bel­le zur Rei­se­preis­min­de­rung“ vom Land­ge­richt Frank­furt a.M. ver­öf­fent­licht. Vor ei­ni­gen Jah­ren hat Prof. Dr. Ernst Füh­rich die „Kempte­ner Rei­se­män­gel­ta­bel­le“ ent­wi­ckelt.

Die Ta­bel­le ist kein Ge­setz, aber sie hilft Rei­sen­den, Rechts­an­wäl­ten und Rich­tern bei der Be­rech­nung. Im­mer sind die Be­son­der­hei­ten des je­wei­li­gen Falls zu be­ur­tei­len und zu be­wer­ten.

Sie fin­den die Ta­bel­le auf mei­ner Ser­vi­ce­sei­te.

 

Müs­sen Sie ei­nen An­walt be­auf­tra­gen?

Nein, Sie kön­nen sich selbst ver­tre­ten, au­ßer­ge­richt­lich und beim Amts­ge­richt. Aber viel­leicht ken­nen Sie gar nicht al­le Ih­re Rech­te oder schei­tern bei der Durch­set­zung.

Rei­se­ver­an­stal­ter und Flug­ge­sell­schaf­ten ver­fü­gen über ei­ge­ne Rechts­ab­tei­lun­gen oder wer­den durch An­wäl­te ver­tre­ten. Sie ver­su­chen sehr häu­fig, An­sprü­che kom­plett zu­rück­zu­wei­sen oder Sie mit Gut­schei­nen ab­zu­fin­den.

Nicht al­le Klau­seln in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen sind recht­lich zu­läs­sig. Den­noch be­ru­fen sich die Ver­wen­der auf der­ar­ti­ge Klau­seln. Auch hier hilft ei­ne sach­kun­di­ge ju­ris­ti­sche Über­prü­fung.

Ich kann Rei­se­män­gel nicht ver­hin­dern und ich kann Sie nicht vor Scha­den be­wah­ren. Aber ich kann ver­su­chen, Ih­re An­sprü­che durch­zu­set­zen.

Seit über 10 Jah­ren liegt ei­ner mei­ner Tä­tig­keits­schwer­punk­te im Rei­se­recht. Pa­ral­lel da­zu un­ter­rich­te ich seit dem Jahr 2003 Rei­se­recht an ei­ner Be­ruf­sa­ka­de­mie. Ich bin Mit­glied der Deut­schen Ge­sell­schaft für Rei­se­recht e.V.

Mit mei­nem Wis­sen und mei­nen Er­fah­run­gen be­ra­te und ver­tre­te ich Sie au­ßer­ge­richt­lich und ge­richt­lich ge­gen­über Rei­se­ve­rans­tal­tern und Flug­ge­sell­schaf­ten. Die Ver­tre­tung ist bun­des­weit bei al­len Ge­rich­ten, außer dem BGH, mög­lich.

Mei­ne recht­li­chen In­for­ma­tio­nen stel­len nur ei­ni­ge grund­le­gen­de As­pek­te dar. Sie er­he­ben kei­nen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit und er­set­zen kei­ne Rechts­be­ra­tung.

Ha­ben Sie Fra­gen da­zu? Dann ver­ein­ba­ren Sie bit­te ei­nen Rück­spra­che­ter­min.